Obatzter oder: Die 5 Gesetze des Biergartens

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So, Hand auf’s Herz. (Ober-)Bayern kennt eigentlich nur zwei Arten von möglichen Tagen: Biagartn-Wedda und Scheißwedda. Wobei eigentlich jedes Wetter, solange es über 15 Grad hat und trocken ist, schon mal als Biergarten-Wetter durchgehen kann, wenn der Bayer Lust auf einen gut gekühlten Gerstensaft hat ;-) Der Biergarten ist ja besonders für unsre ausländischen Gäste (und damit meint der Bayer auch alles jenseits des Weißwurst-Äquators) immer wieder ein Grund zur Verwirrung: Wo setz ich mich da jetzt hin? Wie komm ich an mein Bier? Halbe oder Maß? Und und und. Damit ihr künftig auch für jeden Biergarten-Besuch hier bei uns im schönen Bayern gerüstet seid, kommen sie, die 5 Gesetzte der Biergartens. Und obendrauf gibt’s noch ein Rezept für das wohl bayerischste Biergarten-Schmankerl, das es traditionell zur Riesenbrezn (nein, wir sagen hier nicht Brezel oder Breze sondern Brezn!) gibt: Den Obatzten!

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1. Sitz di zura! (= Setz dich dazu!)
Ihr werdet vor allem in München an schönen Tagen zu 99,99 Prozent keinen leeren Tisch im Biergarten finden. Das macht aber gar nix! Sucht euch einen Tisch, an dem noch Platz ist und fragt einfach nett, ob ihr euch dazusetzen könnt! Das ist ganz normal und wird auch von niemandem in Frage gestellt. Andersrum natürlich auch: Wenn ihr noch Platz habt, auf alle Fälle Leute dazusetzen lassen!

2. Ah, geh weida ( = Los, beweg deinen Hintern!)
In den meisten Biergärten herrscht Selbstbedienung. Das ist meistens ganz leicht daran zu erkennen, dass ihr auf Bierbänken sitzt und euer Tisch nicht mit Tischdecke oder ähnlichem verziert ist. Naja, und an den großen Schildern, auf denen „Selbstbedienung“ steht ;-) Wenn ihr nicht wollt, dass euer Plätzchen weg ist, teilt ihr euch auf: Ein Teil der Gruppe holt Bier (und Futter), ein Teil bewacht den Sitzplatz.

3. Ein Prosit! (= Cheers, meine Freunde!)
Wenn ihr dann sitzt und euer Bier in den Händen haltet, kommt die nächste Kardinalsünde: Vergesst beim ersten Anstoßen nicht, euren neuen Banknachbarn zuzuprosten. Das gehört sich einfach, wie der Bayer sagt und geht ganz easy: Bierkrug hochnehmen (bitte nur eine Hand, meine Freunde), Richtung Nachbarn halten, anschauen und „Prost“ rufen. Bei direkten Nachbarn wird angestoßen, sonst reicht auch ein kurzer Schwenk mit dem Krug in die jeweilige Richtung und ein Blick in die Augen.

4. Ja, pfuideife! (= Boah, Igitt!)
Es gibt eine Unart, die ist für den Bayern so abstoßend, dass er am liebsten aufstehen und gehen würde. Noagal trinken oder noch schlimmer, zusammenschütten. Das Noagal (von „die Neige“) ist der letzte Rest Bier aus der Maß. Und weil das der letzte Rest ist, ist der elendig „lack“ (abgestanden) und wird vom Bayern nicht getrunken. Und wer gar auf die Idee kommt, mehrere Noagal zusammenzuschütten, weil er sich das Geld für ein frisches Bier sparen mag, der hat im Biergarten nix verloren.

5. Gessn werd, wos aufn Disch kimd! (= Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!)
In echten Biergärten gibt es eine supercoole Tradition: Getränke werden vor Ort gekauft, aber sein Futter darf man einfach selber mitbringen. Ja richtig. Packt euch einen schönen Korb mit leckeren Brotzeitschmankerln und düst dann in den nächsten Biergarten. Mit in euren Korb müssen: Obatzter, Radieschen, Wurst und aufgeschnittener und gesalzener Radi (= Rettich). Und wenn ihr dem Wirt dazu noch eine Riesenbrezn abkauft, ist er euch bestimmt nicht böse ;-)

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So, und last but not least gibt’s jetzt noch das Rezept für einen 1a-Obatzten für euch:

Ihr braucht
100 g gut gereifter Camembert
20 g weiche Butter
eine halbe Zwiebel, klein gewürfelt
Salz und Pfeffer
Paprikapulver edelsüß
eine Prise geriebenen Kümmel

Tja, und wie der Name schon verkündet, wird hier einfach alles zusammengematscht. Sprich, den Käse mit einer Gabel zerdrücken. Butter und Gewürze dazugeben und mit der Gabel vermengen und zum Schluss noch die Zwiebel untermischen. Mit dem Paprikapulver übrigens nicht sparen, der Obatzte soll eine schöne gelb-orange Farbe bekommen! Auf eine Brezn streichen und genießen!

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7 Gedanken zu “Obatzter oder: Die 5 Gesetze des Biergartens

  1. Bei Punkt 4 musste ich lachen – ich mag den bayrischen Dialekt voll gern – vielleicht, weil man ihn als Burgenländer (bzw. Österreicher) so super versteht. Oisdann PROST (gibt sicha no a gscheits Wedda fia a Bier) LG Cornelia

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